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Die Spur der Bohne

Der Hamburger Hafen zählt zu den bedeutendsten Umschlagshäfen im internationalen Kakaohandel. Tausende Tonnen erreichen die Hansestadt jährlich. Doch woher kommt das braune Pulver? Eine Spur führt vom Hamburger Hafen in das bergige Hinterland von Sierra Leone. Und zur Familie von Kakaobauer Umaru Foday.

Fotos: Karin Desmarowitz | Text: Michaela Ludwig

Der Probenstecher bohrt sich durch das grobe Jutegewebe. Der eben noch prall gefüllte und an den Enden verplombte Sack erschlafft im Umkreis des fünfmarkstückgroßen Einstichs. In der Nacht gab es noch einmal Frost, deshalb hat Mario Lau die blaue Strickmütze tief ins Gesicht gezogen. Im gedämpften Licht vom Schuppen 74 im Hamburger Freihafen steigt sein Atem wie eine Rauchsäule auf. Der Mann in der orangefarbenen Schutzkleidung ist umgeben von braunen Säcken, meterhoch auf Paletten gestapelt. Mario Lau lässt die Kakaobohnen aus dem Probenstecher in die Hand rieseln und mustert sie kritisch. Dann führt er sie unter die Nase. „In Ordnung“, sagt der Seegüterkontrolleur des Quartiersmannunternehmen H.D. Cotterell, „kein Feuchtigkeitsschaden“.Die nächsten vier Tage werden Mario Lau und seine Kollegen den Inhalt der 80 Container, das sind tausend Tonnen Rohkakao, entladen, Sack für Sack wiegen und begutachten, um sie dann einzulagern. Drei Wochen früher und vierzig Grad wärmer war es, als die Container den Hafen von Freetown, der quirligen sierra-leonischen Hauptstadt, verließen. Doch die Geschichte der Bohnen beginnt weit im tropischen Hochland des kleinen westafrikanischen Staates von der Größe Hessens. Zehn Stunden Autofahrt auf Straßen voller ausgewaschener Schlaglöcher, tief wie Badewannen, liegen zwischen der Kaimauer von Freetown und dem kleinen Örtchen Kangama, wo fast jeder der tausend Einwohner vom Verkauf der braunen Bohne lebt.

Die Spur führt ins tropische Hochland Westafrikas

Umaru Foday ist einer von ihnen. Mit seinen langen, kräftigen Fingern gräbt er die Samen aus der Frucht. Das weiße Fruchtfleisch klebt an den Händen. Diese ist besonders ergiebig: 50 Samen schabt er in einen Korb, den er zuvor mit Bananenblättern ausgelegt hat. Dann folgt die nächste. Die gelbe Frucht auf einen Stein hauen, sorgfältig, damit die Schale nur angeschlagen und das wertvolle Innere nicht beschädigt wird. Auseinanderbrechen und aushöhlen. Schwer zu glauben, dass diese blässlichen, feuchten Samen, die den Korb langsam füllen, ein gefragter Rohstoff sind, der an den Börsen von London und New York hoch gehandelt und in übersee zu Schokolade, Kakaopulver oder Glasur verarbeitet wird.

Was genau sie in Europa aus seinen Bohnen herstellen, weiß Umaru Foday nicht. „Ich habe Schokolade noch nie probiert“, sagt der 53-Jährige und wischt sich mit dem Handrücken über die Stirn. Nur eine Handvoll Supermärkte in der Hauptstadt verkaufen ausländische Schokoriegel, für Bauern wie ihn unerschwinglich. Was den Familienvater neuerdings jedoch brennend interessiert, ist der Weltmarktpreis für Rohkakao. Der befinden sich noch immer auf Höhenflug, was den Käufern aus übersee Kopfzerbrechen bereitet. Doch Umaru Foday freut sich. „Kakaogeld ist süß, aber die Arbeit ist hart“, singt der 53-Jährige grinsend.

Seit September ist die Ernte in vollem Gange. Seine zwei Hektar Land liegen eine knappe Stunde Fußmarsch vom Dorf entfernt an einem der Bergrücken. Kola- und Bananenbäume, Ölpalmen und der majestätisch hohe Kapokbaum spenden den ersehnten Schatten. Der Teppich aus verwelkten Blättern bedeckt den Boden das ganze Jahr hinweg. In der Ferne streiten sich zwei Vögel. Die Bachläufe murmeln beruhigend.

Die Idylle trügt. Der Kakaoanbau ist Knochenarbeit. Aber das einzige, womit er ein paar Leones verdienen kann, - zu wenig für die neunköpfige Familie. Seit dem Bürgerkrieg verkauften die Bauern ihre Ernte an Zwischenhändler. Aus der Not viel zu früh, die Bohnen waren weder ausreichend fermentiert noch getrocknet. Die Händler kamen bereits im Juni in die Dörfer, wenn die Nahrungsmittelvorräte zur Neige gingen. „Wir brauchten dringend Reis, hatten aber kein Geld, um welchen zu kaufen“, erzählt Umaru Foday. „Sie gaben uns einen Sack Reis, dafür mussten wir später zwei Säcke Kakao zurückzahlen.“ Auch Kredite gewährten die Zwischenhändler den Bauern, die diese in Kakao erstatten mussten. Viele seien noch immer verschuldet. Der Blick verfinstert sich.

Kakaoanbau ist Knochenarbeit

Damit ist jetzt Schluss. Im September hat er die ersten Kakaosäcke an die Millenium Kooperative verkauft. Die haben anständig gezahlt. „Ich schätze, dass ich bis Januar 230 Kilogramm ernten werde“, sagt Umaru Foday stolz. „Das sind bei den gegenwärtigen Preisen mindestens 800 000 Leones“, umgerechnet etwa 213 Euro, fast das Doppelte von dem, was er früher erhielt. Millenium ist eine von drei Kakao-Kooperativen im Land, die seit Kriegsende aufgebaut wurden. Seit vergangenem Frühjahr helfen Mitarbeiter der Deutschen Welthungerhilfe  beim Aufbau der Produktions- und Vertriebsstrukturen, mit finanzieller Unterstützung durch die Europäische Union. Ein Sechstel der etwa 30 000 Kleinbauern hat sich bis heute den Kooperativen angeschlossen. Ihr Ziel ist es, die Vermarktung selbst in die Hand zu nehmen und die Zwischenhändler, die kräftig mitverdienen, auszuschalten. „Wir begreifen erst jetzt, was unser Kakao eigentlich wert ist.“

So stakst Umaru Foday Tag für Tag, von August bis Februar, in seinen schwarzen Gummistiefeln - „hier gibt es Schlangen!“ -  unter den Bäumen hindurch, den Blick starr in die bis zu drei Meter hohen Wipfel gerichtet. Entdeckt er eine gelbe Frucht, angelt er sie mit einem langen Holzstab, auf den er ein scharfes Schneidemesser gesteckt hat, und schneidet die Frucht vom Ast. Die plumpst mit einem dumpfen Schlag auf den Boden. „Kopf einziehen“, warnt er und unzählige Lachfalten überziehen wieder sein Gesicht.

Heute ist für den Kakaobauern Umaru Foday ein ganz besonderer Tag. Sheriff Tarawally – Inspekteur, aber nicht Polizist, wie sein Name vermuten lässt, -  und einige andere Mitarbeiter aus dem Büro der Kooperative haben sich angemeldet, um seine Pflanzung zu inspizieren. Der Dorfausrufer hatte ihre Ankunft vor einigen Tagen auf seiner abendlichen Runde angekündigt. über 150 Bauern kamen am folgenden Abend zum Versammlungsplatz. Dort legte Sheriff Tarawally den Bauern dar, dass sie ihren Kakao hier „bio“ anbauen. „Bio“, so erläuterte er, heißt ohne Pestizide. Wenn sie sich jetzt registrieren ließen, würden sie bei der nächsten Kakaoernte eine Prämie erhalten. Es gebe nämlich Menschen in Europa, die dafür viel Geld zahlen. Umaru Foday hat sich noch am selben Abend angemeldet.

Lukrative Bio-Bohnen

Sheriff Tarawally ist ein gewissenhafter, junger Mann, der eigentlich aus Freetown stammt. Mende, die lokale Sprache, versteht er nicht, deshalb unterhält er sich mit den Bauern in der Landessprache Krio, einer Melange aus Englisch, Französisch und afrikanischen Sprachen. Als er bei Umaru Foday ankommt, blickt er auf die eigenhändig gezeichnete Karte von Kangama und Umgebung. Die Grundstücke der registrierten Bauern sind darauf mit Nummerncodes gekennzeichnet. Damit sie als Bio-Produzenten zertifiziert werden können, muss er nun die Bäume und das Gesamtbild der Pflanzung begutachten. Er nickt zufrieden, diese hier macht einen gepflegten Eindruck „Hier stehen große Bäume, die ausreichend Schatten spenden. Es ist aber nicht zu schattig, so dass die Feuchtigkeit stehen bleibt“, lobt er den Kakaobauern. Dann zeigt er auf einen Haufen aus braunen, vermodernden Kakaoschalen. „Die musst du aufsammeln und außerhalb der Pflanzung kompostieren. Die haben hier nichts verloren“, erklärt der Inspekteur im strengen Ton. Unschwer zu erkennen, dass er Lehrer war, bevor er bei der Kooperative anfing.

Die Hälfte der Bauern von Kangama hat Sheriff Tarawally bislang für den Bio-Anbau registriert. Mit den meisten der 160 Produzenten hat er die detaillierten Fragebögen ausgefüllt, weil sie nicht lesen und schreiben können. Die andere Hälfte ist noch misstrauisch. Die Bauern fürchten, dass sie nach der Registrierung enteignet werden. „Die können nach der nächsten Ernte dazu kommen, wenn sie sich überzeugt haben“, klingt Sheriff Tarawally schwer überzeugt. Wenn sie mit eigenen Augen sehen, dass zusätzliche Einnahmen winken. „Die Bauern haben niemals Pestizide oder chemische Dünger verwendet, weil ihnen einfach das Geld fehlte“, erläutert Sheriff Tarawally. „Jetzt unterrichten wir sie in unseren Standards für biologischen Anbau und dann können sie sich zertifizieren lassen.“ Das Verfahren ist kompliziert, weil für den Kunden in Europa jede Charge bis zurück an den Baum nachverfolgt werden können muss.

Mittlerweile ist es Nachmittag und Zeit, den Rückweg anzutreten. Umaru Foday trägt den Korb mit den blässlichen Bohnen auf dem Kopf. Seine ältesten Töchter Famata und Aissatou werden sie später mit Bananenblättern abdecken und sieben Tage fermentieren. Sie müssen das Bohnenmus immer wieder mischen, damit sich die Hitze gleichmäßig im Korb verteilen kann. Dann erst sind die Bitterstoffe entzogen. Ein leichtes Kakaoaroma ist zu schmecken und die Bohnen haben endlich ihre charakteristische braune Farbe.

Im Bürgerkrieg sind die Pflanzungen verwildert

Als der Trampelpfad auf die Landstraße trifft, bleibt Umaru Foday abrupt stehen. Neben der rot-staubigen Sandpiste stehen Bäume und Sträucher, dazwischen mannshohes Elefantengras. „Hier war früher unser Dorf“, sagt er und zeigt einige Meter weiter. „Dort standen die Häuser meiner Großeltern.“ über sein Gesicht fällt ein Schatten, der Blick ist ausdruckslos auf einen Ort in weiter Ferne gerichtet. Die Erinnerungen an die Jahre des Bürgerkriegs kehren zurück.
 
Er erzählt, wie die Familie bei den ersten Rebellenangriffen in den Regenwald floh, weit weg vom Dorf, und dort elf Jahre verbrachte. Elf Jahre, in denen Rebellen gegen Regierungstruppen, und beide gemeinsam gegen die einfachen Leute kämpften. Sie massakrierten, folterten, vergewaltigten Frauen und Mädchen und rekrutierten Kinder. Seine erste Frau verblutete im Wald bei der Geburt. Zwei Kinder starben. Es ist eiskalt in der stillen, tropischen Nachmittagshitze.

Vor sieben Jahren kehrte Umaru Foday mit vier Kindern und seiner zweiten Frau Mariama ins Leben zurück. Es dauerte Tage, bis er sich traute, zu seiner Pflanzung hinaufzugehen. „Sie war verwildert, ich konnte sie nicht betreten“, erinnert er sich und schüttelt beim Gedanken daran den Kopf. „Die Früchte waren verfault, die Bäume krank.“ Mühsam, Meter für Meter, säuberte er die Pflanzung von Unterholz und fällte Bäume, die zu viel Schatten warfen. Mit nichts weiter als einer Machete. Es war schwierig, an die früheren Anbau- und Verarbeitungsverfahren anzuschließen. Viele alte, erfahrene Bauern waren tot und die Jungen hatten einfach vergessen, wie eine Pflanzung verwaltet wird.

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Umaru Foday und seine Frau Mariama (Mitte) mit ihren sieben Kindern

Mittlerweile ist es Nachmittag und Zeit, den Rückweg anzutreten. Umaru Foday trägt den Korb mit den blässlichen Bohnen auf dem Kopf. Seine ältesten Töchter Famata und Aissatou werden sie später mit Bananenblättern abdecken und sieben Tage fermentieren. Sie müssen das Bohnenmus immer wieder mischen, damit sich die Hitze gleichmäßig im Korb verteilen kann. Dann erst sind die Bitterstoffe entzogen. Ein leichtes Kakaoaroma ist zu schmecken und die Bohnen haben endlich ihre charakteristische braune Farbe.  

Als der Trampelpfad auf die Landstraße trifft, bleibt Umaru Foday abrupt stehen. Neben der rot-staubigen Sandpiste stehen Bäume und Sträucher, dazwischen mannshohes Elefantengras. „Hier war früher unser Dorf“, sagt er und zeigt einige Meter weiter. „Dort standen die Häuser meiner Großeltern.“ über sein Gesicht fällt ein Schatten, der Blick ist ausdruckslos auf einen Ort in weiter Ferne gerichtet. Die Erinnerungen an die Jahre des Bürgerkriegs kehren zurück.
 
Er erzählt, wie die Familie bei den ersten Rebellenangriffen in den Regenwald floh, weit weg vom Dorf, und dort elf Jahre verbrachte. Elf Jahre, in denen Rebellen gegen Regierungstruppen, und beide gemeinsam gegen die einfachen Leute kämpften. Sie massakrierten, folterten, vergewaltigten Frauen und Mädchen und rekrutierten Kinder. Seine erste Frau verblutete im Wald bei der Geburt. Zwei Kinder starben. Es ist eiskalt in der stillen, tropischen Nachmittagshitze.

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Die zwölfjährige Aissatou (li.) und der achtjährige Samsi (re.) sitzen dichtgedrängt im selben Klassenzimmer

Vor sieben Jahren kehrte Umaru Foday mit vier Kindern und seiner zweiten Frau Mariama ins Leben zurück. Es dauerte Tage, bis er sich traute, zu seiner Pflanzung hinaufzugehen. „Sie war verwildert, ich konnte sie nicht betreten“, erinnert er sich und schüttelt beim Gedanken daran den Kopf. „Die Früchte waren verfault, die Bäume krank.“ Mühsam, Meter für Meter, säuberte er die Pflanzung von Unterholz und fällte Bäume, die zu viel Schatten warfen. Mit nichts weiter als einer Machete. Es war schwierig, an die früheren Anbau- und Verarbeitungsverfahren anzuschließen. Viele alte, erfahrene Bauern waren tot und die Jungen hatten einfach vergessen, wie eine Pflanzung verwaltet wird.
 
Die Häuser von Kangama ziehen sich die Hauptstraße entlang. Es sind kleine Steinhäuser mit Dächern aus Wellblech, mit Hilfe der vielen Hilfsorganisationen erbaut, die nach dem Krieg ins Land kamen. Die Sonne hat ihre Härte verloren und versucht, Frieden mit den Menschen zu schließen. Von irgendwoher ertönt ein aufgeregter Radiosprecher. Junge Mädchen schreiten mit wiegenden Schritten die Straße entlang, auf den Köpfen tragen sie gelbe Wasserkanister. Kinder schleppen Holzbündel. Auf den Veranden sitzen Männer und palavern. Die Feuerstellen qualmen, unter zeltartigen Holzkonstruktionen vor Regen geschützt. Mariama Foday winkt den Männern von der Kooperative zu.

Ein dumpfes Stampfen ertönt aus allen Richtungen, dong-dong, dong-dong und kündigt das Abendessen an. Auch die Töchter Aissatou und Famatou stoßen hinter dem Haus die langen Holzstäbe in einem ewigen Rhythmus. Langsam löst sich im Mörser die Schale vom Reis. Schweiß perlt auf der Stirn. Aissatou schleudert den Inhalt des Mörsers mit einem Sieb in die Luft und der Wind trägt die Schalen davon. Für eine Zwölfjährige ist sie erstaunlich groß. Sie besucht die sechste Klasse der katholischen Grundschule im Ort. Ihre Haare sind zu kleinen Schlagen verflochten, die sich am Hinterkopf treffen.

Offiziell ist der Besuch der Grundschule kostenlos

Umaru Foday zieht eine Holzbank herbei. Der achtjährige Samsi aalt sich derweil auf den Stufen und drückt auf den Knöpfen eines Plastikhandys herum, das nervtötend quäkt. „Ich allein schaffe nur einen Bruchteil der Arbeit mit dem Kakao, ich bin einfach auf die Hilfe meiner Kinder angewiesen“, sagt Umaru Foday.  Aissatou erzählt mit leiser Stimme, dass die Familie die Wochenenden oben in der Pflanzung verbringt. Sie schaut schüchtern an den Besuchern vorbei. „Wir kochen für die ganze Familie, wir helfen auch beim Ausholzen und beim Ernten.“ Obwohl sie die helfenden Hände dringend brauchen, ist es den Eltern wichtig, dass ihre Kinder die Schule besuchen. Auch wenn ihnen die Frage, wie sie das Schulgeld zusammenkratzen sollen, jedes Schuljahr Kopfschmerzen bereitet. „Offiziell ist die Grundschule kostenlos, aber wir müssen Gebühren, Schuluniformen, Bücher und manchmal eine kleine Umlage für die Lehrer zahlen“, erläutert Sheriff Tarawally.

Umaru Foday hofft, dass seine Kinder in der Landwirtschaft bleiben. „Hier hat man immer ein Auskommen.“ Er weiß, wovon er spricht. Als Jugendlicher kam er von Freetown nach Kangama zu den Großeltern. Sein Vater war gestorben und er konnte die Schule nicht beenden. Aber „das war das beste, was ich ohne Schulabschluss tun konnte.“ Vielleicht auch mit Schulabschluss. Doch die Entscheidung sollen sie selbst treffen. „Bestimmt wollen sie später in einem Büro arbeiten“, meint er schmunzelnd. Dies ist ein ernstes Problem auf dem Lande: Die jungen Leute wollen nicht in der Landwirtschaft zu schuften und träumen davon, in die Städte zu ziehen. Dort finden sie bei einer Arbeitslosenquote von 60 % nur schwer eine Stelle. Während die Arbeitskräfte auf dem Lande fehlen.

So weit mag in der Familie Foday niemand denken. Für sie hat in Kangama eine neue Zeitrechnung begonnen. Stolzes Zeichen ist der Trockentisch vor dem Haus. Diese Holzkonstruktion, die an eine Tischtennisplatte erinnert, haben die Mitarbeiter der Kooperative nach Kangama gebracht. Die Mädchen verteilen die Kakaobohnen, die nach dem Fermentieren hier trocknen. Sie picken die flachen und schimmeligen heraus. Vorbei sind die Zeiten, als sie im Staub der Straße trockneten - wie bei einigen Nachbarn noch heute. „So geht es schneller“, sagt Umaru Foday, während er die Bohnen zwischen den Zähnen aufknackt und die Schale ausspuckt. „Der Kakao hat eine bessere Qualität und das bringt mehr Geld.“

In zwei Tagen wird Umaru Foday Kakao die geforderte Feuchtigkeitsgrenze von sieben Prozent erreicht haben. Dann kann er in Säcken verpackt seinen weiten Weg nach Europa antreten.

Kono, Sierra Leone

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