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Karité - Die Glücksnuss der Frauen

Aus den Nüssen des Karitébaums stellen die Frauen in Burkina Faso eine Butter her, die zunehmend in der Kosmetik- und Lebensmittelindustrie verwendet wird. Eine Chance für die bitterarme Landbevölkerung in dem westafrikanischen Land?

Fotos: Jörg Böthling | Text: Klaus Sieg

Mariam Idogo steht mit gebeugtem Rücken über der großen Schüssel. Bis über die Ellenbogen klebt eine braune Masse an ihren Armen. Immer wieder taucht die 38jährige Hände und Arme in die zähe Paste, deren Farbe an Mousse au Chocolat erinnert. Knochenarbeit. Mariam Idogo beginnt schwer zu atmen. Schweiß bildet sich auf ihrer Stirn. Doch ihre Augen leuchten. Lächelnd blickt sie zu den Frauen an ihrer Seite, die ebenfalls über ihren Schüsseln stehen, singen und im Rhythmisch des Liedes walken und rühren. ‚Freunde arbeiten gut zusammen’ lautet der Refrain des traditionellen Arbeitsliedes. Die Bewegungen Mariam Idogos werden immer schneller. Die Paste blubbert und schmatzt. Als die Paste fast weiß geworden ist, richtet Mariam  Idogo sich auf. Mit dem Handrücken wischt sie sich über die Stirn. „Dieser letzte Arbeitsschritt ist immer besonders anstrengend, das Singen hilft durch zu halten."

Die Produktion von Karitébutter in den Dörfern von Burkina Faso geht über Stunden und Tage. Schon immer war das Sache der Frauen. Der Karitébaum wächst wild in allen Landesteilen Burkina Fasos, selbst auf den extrem kargen Böden im Norden. Oft sind Dörfer umgeben von ganzen Hainen des genügsamen Baums, der über siebzig Jahre Früchte trägt.

Im Juni und Juli gehen die Frauen mit Kalebassen und Plastikschüsseln zwischen den Bäumen umher und sammeln die grünen, weichen Früchte vom Boden. Zunächst befreien sie die Früchte von ihrem weißen Fleisch. Für die Kinder ein Freudenfest. Reif schmeckt es mehlig und süß wie das der Dattel. Dann erhitzen die Frauen die ölhaltigen Kerne, um sie anschließend zu stampfen und zu mahlen. Mit Wasser rühren sie dieses Pulver zu einer braunen Paste, die aufgekocht wird. Nach dem Erkalten kneten die Frauen die Paste so lange, bis sie flockig und weiß ist. Farbpigmente und Bitterstoffe werden so heraus gewaschen. Über dem Holzfeuer kochen die Frauen dann daraus gelbes Öl. Nach dem Filtern erkaltet das Öl zu Butter.

Diese leicht körnige, weiße Butter, auch Sheabutter genannt, nutzen sie als Creme. Sie schützt die Haut vor der sengenden Sonne und dem -  zumindest im Norden des Landes -  wüstenähnlichen Klima.  Auch Seife lässt sich aus der Karitébutter herstellen. Und ihre Saucen, Eintöpfe oder den traditionellen Maisbrei To, veredeln die Frauen in Burkina Faso ebenfalls mit dem kostbaren Fett.

In den letzten Jahren wird Karité zunehmend auch von der internationalen Kosmetik- und Süßwarenindustrie nachgefragt. Seifen und Cremes werden aus Karitébutter hergestellt; Süßwarenhersteller verwenden sie als preisgünstigen Ersatz für Kakaobutter.  Eine Chance für die Frauen Westafrikas, der Armutsfalle zu entkommen?

"Der Hunger klopft bei uns ständig an die Tür." Mariam Idogo verschränkt die Arme.....

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Gemeinsam fällt die Arbeit leichter. Die Masse erinnert an Mousse au Chocolat.
Burkina Faso: Karite

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